


Nicht die Kinder bloß speist man mit Märchen ab“, sagt Nathan. Um dann eine Geschichte zu erzählen, die alles andere ist als ein Märchen. Eine Geschichte von Toleranz und Gleichheit, von Menschlichkeit und dem Glauben an die Wahrheit. Als Ringparabel hat sie in Lessings Dramatischem Gedicht Literatur- und Theatergeschichte geschrieben, ist sie doch der Dreh- und Angelpunkt des „Nathan“, der jetzt in der Inszenierung von Murat Yeginer zur Spielzeiteröffnung im Theater Pforzheim Premiere hatte.
Der Schauspieldirektor setzt sie wirkungsvoll ins Szene: Licht aus, Spot an lautet sein Rezept, um diesen funkelnden Diamanten zumindest etwas aus dem quietschbunten Allerlei der Aufführung herauszuheben. Denn Yeginer bringt einen „Nathan“ auf die Bühne, wie er konservativer kaum sein könnte: Plastikpalmen und Schnabelschuhe, buntes Orient-Allerlei und Kostüme wie aus Tausend und einer Nacht (Ausstattung Stefan Schulz).
Ein bisschen Bauernschwank und ein wenig erhobener Zeigefinger – der Schauspieldirektor bietet leichte Unterhaltungskost. Beispiele? Da kommt ein scheinbar schwer beladener Nathan zum Auftakt auf die Bühne gestampft und auch Dienerin Daja schafft es kaum, die – federleichten – Pakete in die Höhe zu stemmen. Schwierig auch ist es, dem Besucher das Gefühl der Höhenangst zu vermitteln, wenn die sich zickig gebärdende Matrone gerade mal einen halben Meter über dem Boden an einem Palmenstamm klebt. Lauter Gutmenschen finden sich da auf der Bühne: Der intensiv das R rollende Österreicher Mathias Reiter als Saladin, seine bildhübsche Schwester Sittah (Selda Vogelsang), die überzogen schwärmerische Recha (Christine Schaller), die sich immer wieder gerne den Männern vor die Füße wirft, und der heißspornige Tempelherr, dem Falk Seifert nachvollziehbar wütend-aufmüpfige Züge gibt. Mit Raphaèl Niebel als Derwisch und Benjamin Schardt als Klosterbruder verfügt das Ensemble über zwei Schauspieler, die die drastisch-komischen Züge ihrer Rollen fein auszuspielen wissen. Eine gefällige Karikatur auf den Patriarchen zeichnet Holger Teßmann. Jens Peter gibt den Nathan mit klarer Diktion, großer Konzentration und gelegentlich zu heftigem Augenrollen. Eine respektable Leistung.
Und so erfreute sich das lang applaudierende Premierenpublikum an einem netten Abend, fernab jeglicher Aktualität, fernab jener brennenden Probleme, die der Kampf der Kulturen und der Krieg der Religionen immer wieder auf blutige Art und Weise der Menschheit beschert.
Autor: sandra Pfäfflin | pforzheim




Leserkommentare (4)
Mehr KommentareDie Bilder vom Eröffnungsabend stimmen wieder sehr nachdenklich. Pforzheim, alles was in der Politik Rang und Namen hat. Wieviele kostenlose Eintrittskarten es wieder gegeben haben mag ???? Ansonsten ist es eine Kritik ohne klare Linie. "Nett, "fernab aller brennenden Aktualitäten" sind seltsame Klassifizierungen. Hat dies ein solch klassischer Dichter wie Lessing wirklich verdient ?? mehr...
war ich im theater um mir das stück anzuschauen und fand es gut + gelungen inszeniert...ein schöner unterhaltsamer theaterabend.... kritik ist kritik + hat auch seine berechtigung aber das stück war für mich in der gesamtheit vom bühnenbild bis zur besetzung handwerklich gut gemacht. plastikpalme hin oder her -:) mehr...
Mir hat dieser Theaterabend in dieser Regie sehr gut gefallen. Es war wohltuend, KEIN abstruses Regietheater zu erleben. Mein Urteil: empfehlenswert. Der Eintrittpreis hatte seine Berechtigung und da brauchte ich keine Freikarte! mehr...