



ÖTISHEIM. Alles deutete darauf hin, dass der Name Werner Henle bei der Ötisheimer Bürgermeisterwahl am 4. Juli alleine auf dem Stimmzettel steht. Bis am Montag um 12.20 Uhr ein Gegenkandidat seine Unterlagen einreichte.
Andy Bloch heißt der Mann, ein angestellter Fahrlehrer, 34 Jahre alt und aus dem sachsen-anhaltinischen Quedlinburg im Harz stammend. Seit 2004 lebt er in Ötisheim und jetzt kommt’s: Er ist der Nachbar von Werner Henle. Was ihn zur Kandidatur bewogen hat? „Ich bin mit dem jetzigen Bürgermeister nicht zufrieden“, sagt Bloch. Eine Rolle spielen dabei auch persönliche Gründe. Dem Schultes wirft der Vater von zwei Söhnen (fünf und vier Jahre alt) vor, er habe ihn einmal „vor versammelter Mannschaft“ harsch zurechtgewiesen. „Dabei hatte ich mich nur nach den Öffnungszeiten des Kindergartens erkundigt“, erzählt Bloch.
Als „Juxkandidaten“ oder aussichtslosen Außenseiter sieht sich der Herausforderer keineswegs. „Ich habe mir die Entscheidung reiflich überlegt und glaube an meine Siegchance“, geht Bloch optimistisch ins Rennen. Was er den Ötisheimern verspricht? „Ich will mehr für die Jugend tun, ein bürgernäheres Rathaus und bin für den verstärken Einsatz erneuerbarer Energien“, umreißt Bloch seine Ziele.
Genaueres sollen die Bürgerinnen und Bürger am Donnerstag, 17. Juni (19.30 Uhr) erfahren. Dieses Datum will Uwe Oehler, Wahlausschuss-Leiter und Henles Stellvertreter, heute den Gemeinderäten vorschlagen. In alphabetischer Reihenfolge sollen erst Bloch und dann der amtierende Rathauschef jeweils 15 Minuten für sich werben. Anschließend darf die Bevölkerung den Kontrahenten eine Stunde lang mit Fragen auf den Zahn fühlen.
„Ein bisschen schon“, räumt Werner Henle auf die Frage ein, ob ihn die Kandidatur seines Nachbarn am letzten Tag der Bewerbungsfrist – sie endete gestern um 18.00 Uhr – überrascht habe. Wie sich das Auftauchen eines Mitbewerbers auf seinen Wahlkampf auswirken werde, darüber hielt sich der 53-Jährige bedeckt. „Ich werde etwas mehr machen als geplant, aber ich lasse mir da nicht in die Karten schauen.“ Seine inhaltlichen Schwerpunkte stehen bereits fest. „Wir haben in den 16 Jahren meiner Amtszeit wahnsinnig viel erreicht“, sagt Henle. Im Rückblick darauf empfehle er sich den Bürgerinnen und Bürgern. An oberster Stelle seiner Prioritätenliste stehen weiterhin die Gemeindefinanzen. „Seit acht Jahren nehmen wir keine Schulden mehr auf und so soll es auch bleiben“, betont Henle. Gleichwohl macht die wirtschaftliche Misere auch vor Ötisheim nicht halt. „Ich sehe mich als Kapitän, der das Schiff in schwierigen Zeiten auf Kurs halten will. Darauf können sich meine Aizemer verlassen“, wählt Henle einen Vergleich aus der Seefahrt.
Zieht man die Gemeinderäte als Indikator für die politische Stimmung in Ötisheim heran, dann dürfte sich an den Machtverhältnissen im Rathaus nichts ändern. „Einem Gegenkandidaten gebe ich nicht den Hauch einer Chance“, hatte Uwe Oehler, der auch Fraktionschef der Freien Wähler ist, gegenüber der PZ schon vor Wochen prophezeit. Diese Meinung teilt die Mehrheit der Bürgervertreter. Henle hatte sich 1994 gegen mehrere Kontrahenten durchgesetzt. Die erste Amtszeit war nicht frei von Turbulenzen. Besonders das Thema Mobilfunk machte dem Diplom-Verwaltungswirt zu schaffen. Dennoch traute sich vor acht Jahren keiner, gegen ihn anzutreten.
Autor: PZ-redakteur alexander albrecht



