






Fahrschule extrem: PZ und PZ-news wagten sich auf den Vaihinger Verkehrsübungsplatz. Experten zeigten den richtigen Umgang mit schwierigen Situationen.
Mein Fuß tut langsam weh, aber das macht nichts. In rund zwanzig Metern stehen die Hütchen, die den Bremspunkt markieren, und ich komme noch immer nicht dort zum Stehen, wo es Winfried Nelles gerne hätte. Bis das soweit ist, muss ich es wieder und wieder versuchen. Nelles ist Kursleiter bei der Vaihinger Verkehrswacht, wo ich heute gemeinsam mit einigen Kollegen ein Fahrsicherheitstraining absolviere. Und so langsam aber sicher wird mir klar, dass das, was ich bislang unter Bremsen verstanden habe, durchaus ausbaufähig ist. „Was schätzen Sie denn, wie viel Kilogramm Druck Sie auf das Pedal bringen müssen, um eine ordentliche Vollbremsung auszuführen“, fragt Nelles in die Runde und lächelt dann milde, als Antworten im Bereich von fünf bis immerhin fünfzig Kilo fallen. „Mindestens achtzig“, sagt Nelles und schickt uns auf eine neue Runde.
Zwanzig Meter noch bis zum Bremspunkt und die Worte von Nelles stets im Hinterkopf. Als ich kurz vor den Pylonen bin, drücke ich mich in den Fahrersitz, stampfe regelrecht mit meinem Fuß aufs Bremspedal und komme schließlich mit einem heftigen Ruck zum Stehen. „Dieses Mal ganz ordentlich, so langsam wird es“, sagt Nelles. Während ich noch immer die Physik verfluche, die laut Meinung des Experten dafür verantwortlich ist, dass es einen selbst bei läppischen 40 Stundenkilometern unheimlich Kraft kostet, um sein Gefährt mittels einer Vollbremsung zum Stehen zu bringen, geht es bereits weiter zur nächsten Übung. Auf einer nassen, glatten Fahrbahn gilt es, Hindernissen auszuweichen. Ohne, dass das Auto ausbricht, ohne dass die Räder blockieren, ohne das sich das Auto aufschaukelt und am besten auch noch ohne dabei allzu hektisch zu werden.
Angefangen wird mit 30 Stundenkilometern, und mit Mühe und Not gelingt es tatsächlich allen Teilnehmern, die Übung zu meistern. Dann erhöhen wir auf Geheiß von Kursleiter Nelles die Geschwindigkeit. Nicht viel, nur um zehn Stundenkilometer, doch die Auswirkungen sind enorm. Plötzlich schafft es keiner mehr, die Hindernisse zu umfahren, und so schlingern wir bei den ersten Versuchen hilflos über die glitschige Fahrbahn und versuchen mit allem, was man uns irgendwann einmal in der Fahrschule beigebracht hat, das Auto auf Kurs zu bekommen. „Sie lenken zu langsam“, ruft mir Nelles entgegen. „Bis Sie reagieren, ist ihnen das Fahrzeug längst ausgebrochen.“ Also reiße ich beim nächsten Versuch von dem Moment an, wo ich zu driften beginne, das Lenkrad herum, versuche möglichst gleichmäßig zu bremsen und immer wieder gegenzulenken, und siehe da, es klappt. Nach weiteren drei Versuchen fühle ich mich bereits derart sicher, dass ich mit jedem Mal die Geschwindigkeit langsam erhöhe und es allmählich beginnt, Spaß zu machen, die Grenzen der Physik – die ich eine halbe Stunde vorher noch verflucht habe – auszuloten.
Trotzdem muss man realistisch bleiben. Ein Auto bei 40 Stundenkilometern abzufangen, wenn man genau weiß, was im nächsten Moment auf einen zukommt, ist wesentlich einfacher, als die meisten Situationen zu meistern, die einem im täglichen Straßenverkehr passieren können. Ein Punkt, den auch Winfried Nelles am Ende des Fahrsicherheitstrainings noch einmal explizit anspricht: „Letztlich hilft es immer noch am meisten, angepasst zu fahren und im Notfall schnell zu reagieren und zu bremsen.“ Aber dann bitte richtig.
Autor: maximilian lutz | Vaihingen/Enz



