Kein Verständnis  hat Klaus Bernhardt für die Gema-Forderungen. Der Senderstädter ist seit 13 Jahren Ortsverbands-Vorsitzender des Sozialverbands VdK in Mühlacker.
Kein Verständnis hat Klaus Bernhardt für die Gema-Forderungen. Der Senderstädter ist seit 13 Jahren Ortsverbands-Vorsitzender des Sozialverbands VdK in Mühlacker.
© Schmid

Gema fordert Gebühren für Zitherspiel von Senioren

MÜHLACKER. Klaus Bernhardt ist sauer auf die Gema. Der Senderstädter VdK-Ortsverbands-Vorsitzende soll für eine Veranstaltung bezahlen, bei der Sozialverbands-Mitglieder zum Zitherspiel Volkslieder gesungen haben.

Anzeige

Es geht Klaus Bernhardt nicht ums Geld. Das ist nicht verwunderlich, wenn man sieht, dass die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (Gema) dem Mühlacker VdK-Ortsverbands-Vorsitzenden 23,11 Euro in Rechnung gestellt hat. Zu bezahlen, weil 24 Mitglieder am 9. Februar in der Kloinen Kelter in Mühlacker einen „Gemütlichen Nachmittag mit Musik“ verbracht haben.

Geselliges Miteinander

Ein Angehöriger des in Mühlacker und den Stadtteilen über 600 Mitglieder zählenden Sozialverbands VdK hatte angeboten, seine Zither zum regelmäßigen Treff mitzubringen. Alle zwei Monate kommen etwa 25 Mitglieder, „im Altersdurschnitt von über 80 Jahren“ (Bernhardt) dienstags in einer wechselnden Lokalität in Mühlacker zum Nachmittagstreff zusammen. Mal wird gesungen, mal hält jemand ein Referat, mal wird Karten gespielt und ein anderes Mal nur miteinander geredet.

Der Nachmittag mit Musik ist laut Bernhardt bei den Anwesenden „sehr gut“ angekommen. Das Mitglied habe Zither gespielt und die Lieder oft auf Zuruf von den Versammelten angestimmt, mal mit, mal ohne Noten. Hauptsächlich Volkslieder seien es gewesen, erinnert sich Bernhardt, ohne ganz genau benennen zu können, um welche Stücke es sich handelte.

Von dem Schreiben der Gema, das am 23. Juli per Post kam, die Veranstaltung benannte und Bernhardt aufforderte, diese nachträglich anzumelden, war der 66-Jährige überrascht. Nach einem Telefonat kamen rechtliche Belehrungen der Gema und schließlich die Rechnung ins Haus geflattert. 23,11 Euro werden gefordert. Berechnet wurde nach Quadratmetern. 95 seien es gewesen, so die Gema-Rechnung. Stimmt nicht, meint Bernhardt. „Wir haben nur einen Teil der Kloinen Kelter genutzt und der misst rund 34 Quadratmeter.“

Ein zusätzlicher Absatz auf der Rechnung erklärt, dass in Bernhardts Fall die Urheberrechtsverletzung-Kulanz angewandt wird. „Wegen Unkenntnis der gesetzlichen Meldepflicht (...) haben wir keinen Kontrollzuschlag von 100 Prozent berechnet. Bitte melden Sie zukünftig Veranstaltungen rechtzeitig vor Beginn an“, schreibt die Gema.

Klaus Bernhardt will nicht zahlen. Heute nicht und auch in Zukunft nicht. Aus Prinzip, sagt der Rentner. „Wir organisieren die Treffs, damit die Mitglieder, die oft recht einsam sind, unter Leute und auf andere Gedanken kommen“, sagt der Mühlackerer und stellt den ehrenamtlichen Einsatz in den Mittelpunkt. Bei solchen „Bumerängen“ überlege jeder, ob er das auch in Zukunft tue.

„Mich haben sie jetzt am Wickel“, konstatiert der VdK-Ortsverbands-Vorsitzende. „Jedem anderen Ortsverband kann das aber auch passieren. Zahlen wäre ein Eingeständnis, dass ich etwas falsch gemacht habe.“ Aus Sicht der Gema hat er das auch. Sobald urheberrechtlich geschützte Musik für eine Mehrzahl von Personen genutzt wird, muss man laut Urheberrechtsgesetz bezahlen, heißt es aus der Bezirksdirektion Stuttgart. Der Vereinszweck reiche nicht aus, um dem Treff den Rahmen einer privaten Veranstaltung – die kostenfrei wäre – zu geben. Dass urheberrechtlich nicht geschützte Werke gespielt worden sind, sei nachzuweisen, betont eine leitende Mitarbeiterin gegenüber der PZ.

Das Urheberrecht erlischt 70 Jahre nach dem Tod des Urhebers, bearbeitete Werke können aber erneut geschützt sein. „Gnade vor Recht“ sei bei der Höhe der Rechnung ergangen, führt die Mitarbeiterin an. Man sei davon ausgegangen, dass der Vorsitzende nicht gewusst habe, dass die musikalische Veranstaltung angemeldet werden müsse. Bernhardt hat „volles Verständnis“ dafür, dass die Gema bei Veranstaltungen, wo eine Menschenmenge mit Musik feiert und „von Peter Kraus bis Chris de Burgh alles gespielt wird“, zur Kasse bittet. „Bei uns ist das aber ein anderer Rahmen“, argumentiert Bernhardt und betont die gemeinnützige Ausrichtung des VdK. Seine Vorstandskollegen hat Bernhardt nun zu einer außerordentlichen Sitzung geladen, um das Vorgehen abzustimmen. Rechtlichen Beistand hat er sich geholt.

Erfolgreicher Widerspruch

Das ist nicht der erste Konflikt mit der Gema in der Region. Für viel Aufmerksamkeit hatte 2006 ein Streit um eine zu hoch berechnete Gema-Gebühr für die „Zehnttage” in Maulbronn gesorgt (die PZ berichtete). Die Gema hatte zuerst 7100 Euro, nach dem ersten Widerspruch der Veranstalter noch 4800 Euro und nach einem weiteren Widerspruch zuletzt 975 Euro verlangt, die dann auch bezahlt wurden. Weil nur mehr als 250 Jahre alte Melodien mit Schalmeien und Leiern gespielt wurden, blieb die Gebühr zuletzt auf ein Minimum beschränkt.

Autor: nadine schmid

04.08.2010

Weitere Artikel, Bilder und Videos zum Thema

Leserkommentare (6)

Mehr Kommentare
1
Schmieremer | 04.08.2010 | 19:21

Das Schlimme dabei ist, dass es selbst im kleinsten Kaff Agenten dieses Vereins zu geben scheint. Da kann ja kein Gesangverein mehr durch den Maienwald wandern und ein Liedchen dabei trällern, es könnte doch so ein "IM" hinter einer dicken Eiche stehen. Ich bekomme auch laufend Post von dem Laden, obwohl es in meinem Häusle diesbezüglich nichts zu beanstanden gibt. Anlässlich dieses Artikels habe ich das letzte Anschreiben gleich mal durch den Reisswolf gelassen, alea jacta est. Und Besuch von ...... mehr...

2
wertwert | 04.08.2010 | 19:23

Ich habe gestern im Wald "Im Frühtau zu Bergen....) gesungen. Bin ich nun gebührenpflichtig ?:confused::rolleyes: mehr...

3
Markus | 04.08.2010 | 19:29

[QUOTE=Webmaster;52008]Dass urheberrechtlich nicht geschützte Werke gespielt worden sind, sei nachzuweisen, betont eine leitende Mitarbeiterin gegenüber der PZ. [/QUOTE] Wie soll ich denn plausibel nachweisen, dass ich etwas nicht gemacht habe? Müsste da die Beweislast nicht umgekehrt sein? Da könnte die Gema ja an jede Kneipe, wo mal ein paar Liedchen gegrölt werden, pro Forma mal eine Rechnung schreiben und die müssen dann erstmal das Gegenteil beweisen... mehr...

Schriftgröße A A A
Artikel teilen
Anzeige
Anzeige
Top Adressen
Anzeige
Top Angebote
Anzeige
Regional Finder
Ispringen
Kämpfelbach
Eisingen
Königsbach-Stein
Remchingen
Keltern
Straubenhardt
Birkenfeld
Neuenbürg
Engelsbrand
Unterreichenbach
Schömberg
Neuhausen
Tiefenbronn
Heimsheim
Friolzheim
Wimsheim
Mönsheim
Wiernsheim
Wurmberg
Niefern-Öschelbronn
Kieselbronn
Neulingen
Ölbronn-Dürrn
Ötisheim
Mühlacker
Illingen
Maulbronn
Sternenfels
Knittlingen
Karlsbad
Pforzheim
Umfrage
Ist die Energiewende noch zu schaffen?
PZ-news auf Facebook
Webcam
Sa, 19.05.2012 03:45
Anzeige