20. Februar 2012
Frauen haben oft Schwierigkeiten, sich in einer Konferenz mit männlichen Kollegen Gehör zu verschaffen. Foto: Kalaene
Frauen haben oft Schwierigkeiten, sich in einer Konferenz mit männlichen Kollegen Gehör zu verschaffen. Foto: Kalaene

Babylonische Sprachverwirrung im Büro

Männer sind vom Mars, Frauen von der Venus – das gilt auch im Büroalltag.Doch es gibt Hoffnung: Die Sprache des jeweils anderen Geschlechts kann man lernen.

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„Der Toner müsste mal gewechselt werden“ – auf so einen Satz reagieren Männer und Frauen im Büro ganz verschieden. Die Kolleginnen springen fast zeitgleich auf und rennen zum Kopierer. Die Kollegen bleiben sitzen. Der ein oder andere denkt sich vielleicht noch „Ja, stimmt“, das war es aber auch. Wer kennt solche Szenen nicht? Die Verständigung zwischen männlichen und weiblichen Kollegen im Büro hakt häufig. Der Grund: Eine solche Aufforderung komme bei Männern einfach nicht an, sagt Kommunikationstrainerin Cornelia Topf aus Augsburg. Das sei auch kein böser Wille. „Aber Männer brauchen klare Anweisungen.“

Ein ähnlicher Fall: Eine Mitarbeiterin fragt ihren Kollegen: „Sollten wir nicht mal wieder ein Meeting einberufen?“ Die Reaktion ihres männlichen Kollegen bleibt aus. „Eine Frau will eigentlich nur höflich sein“, erklärt Topf dieses Verhalten. Sie will niemandem einen Termin vorschreiben. Doch im Umgang mit Männern ist genau das der Fehler. Sie hätte ihrem Kollegen konkret sagen sollen, dass nächste Woche Mittwoch um 14 Uhr ein Treffen stattfindet.

Das Problem: Frauen drücken sich indirekt aus, benutzen häufig den Konjunktiv. Damit wollen sie Nähe und ein gutes Arbeitsklima erzeugen. „Aber auf Männer wirkt das unsicher und unterwürfig.“ Frauen denken und sprechen zudem eher beziehungsorientiert, Männer eher sach- und lösungsorientiert. „Deswegen wird ein Mann schnell ungeduldig, wenn eine Frau etwas erklärt, weil er nach dem Problem sucht“, so Führungskräftetrainer Roland Kopp-Wichmann aus Heidelberg. Oft sei aber keines da. Die Frau will sich nur mitteilen oder ihre Gefühle schildern.

Frauen seien meist nach den Spielregeln der non-hierarchischen Kommunikation sozialisiert worden, Männer nach denen der hierarchischen, sagt Karrieretrainerin Marion Knaths aus Hamburg. Ein Beispiel aus einer x-beliebigen Konferenz: Frauen sprechen ihren Vorschlag laut in die Runde, adressieren dabei jeden. „Aber in der hierarchischen Kommunikation ist das ein großer Fehler.“ Wenn eine rangniedere Person in die Runde spreche, sei das nicht mehr als ein Rauschen in den Ohren des Chefs. So kann es dann auch passieren, dass ein männlicher Kollege den gleichen Vorschlag wie zuvor eine Frau macht, aber direkt den Ranghöchsten anspricht – und gehört wird.

Ein unterschiedliches Kommunikationsverhalten legen Frauen und Männer auch bei der Annahme von Lob an den Tag. „Männer können selbstbewusster etwas annehmen“, erklärt Topf. Werden sie für ihre Arbeit gelobt, strecken sie die Brust heraus und denken vollkommen selbstverständlich: „Ja klar, habe ich gut gemacht.“ Frauen hingegen lehnen Lob in der Regel stärker ab als Männer. „Die meisten Frauen werten das ab“, sagt Kommunikationsexpertin Claudia Enkelmann aus Königstein im Taunus. Männer reden darüber, was sie geleistet haben. Frauen hingegen arbeiten fleißig und warten ab, dass ihre Leistung entdeckt wird. „Frauen müssen lernen, über ihre Erfolge zu sprechen.“

Missverständnisse umgehen

Kommunikations- und Karriereexperten sind sich einig: Die häufigen Missverständnisse zwischen Männern und Frauen im Büro müssen nicht sein. Zuerst müssten beide Geschlechter erkennen, dass Männer und Frauen eine unterschiedliche Sprache haben. Und dann gilt: „Ich kann die Techniken und Regeln des jeweils anderen Kommunikationssystems erlernen“, sagt Knaths. Das hilft auch bei der Karriere. „Wenn ich als Frau aufsteigen will, muss ich lernen zu führen“, sagt Enkelmann. Dazu gehört dann auch, von Männern zu lernen und Anweisungen nicht als Bitte zu formulieren.

Autor: Berit Waschatz

20.02.2012
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