15. September 2011
Vorheriges Bild
Nächstes Bild
ötzi
Zum 20. jahrestag der Entdeckung der Gletschermumie "Ötzi" am kommenden Montag, wollen Forscher neue Erkenntnisse über die Mumie veröffentlichen. Foto: dpa
© dpa
forscher
Der Tübinger Humangenetiker Carsten Pusch und seine Kollegen konnten 95 Prozent von Ötzis DNA entschlüsseln. Foto: dpa
© dpa
Vorheriges Bild
Nächstes Bild

Tübinger Forscher entlockt Gletschermann «Ötzi» seine Geheimnisse

TÜBINGEN. Noch nie hat er «Ötzi» gesehen, dabei hat der Gletschermann ihn doch so berühmt gemacht: Im vergangenen Jahr hat Humangenetiker Carsten Pusch der gut 5300 Jahre alten Mumie aus den Ötztaler Alpen fast alle seine Geheimnisse entlockt. 95 Prozent von «Ötzis» DNA konnten der Tübinger Forscher und seine Kollegen entschlüsseln.

Anzeige

Zum 20. Jahrestag der Entdeckung der Gletschermumie an diesem Montag (19.9.) will das Forscher-Team nun neue Erkenntnisse veröffentlichen. «Nur so viel», verrät Pusch: «Wir waren doch sehr überrascht über seinen Gesundheitszustand.»

Besonders die Frage nach möglichen Nachfahren des Gletschermannes interessiert die Forscher. Aber sein Erbgut könnte auch Aufschlüsse über genetische Ursprünge von heute häufigen Krankheiten wie etwa Diabetes, Krebs oder Alzheimer bringen.

Die Arbeit mit «Ötzis» DNA ist für Pusch ein ganz besonders Projekt. Zur Genetik hat der 45-Jährige durch seinen Vater gefunden. «Bub, das ist die Zukunft», habe der Gartenbauingenieur immer gesagt. Also ging der gebürtige Stuttgarter nach dem Abitur an die Universität Tübingen, studierte Biologie und spezialisierte sich in gleich drei Bereichen: medizinische Genetik, Humangenetik und Paläogenetik - also jene, die sich mit der Analyse von historischem und prähistorischem Gen- und Erbmaterial beschäftigt.

«Dieses Triumvirat an Wissen hat mir die Türen geöffnet», ist der Wissenschaftler überzeugt. Dass man ein absoluter Workaholic sein muss, um in allen drei Bereichen erfolgreich arbeiten zu können, bestreitet er nicht.

Neben der Forschung an «Ötzi» ist es im Moment vor allem ein Projekt in Ägypten, das Pusch beschäftigt - und das in der Öffentlichkeit nicht weniger hohe Wellen schlägt. Der 45-Jährige hat Mumien aus den Grabkammern des Pharaonenkönigs Tutanchamun untersucht und dabei nach Hinweisen auf Krankheiten und Erbfolgen gesucht. «Bei diesem Projekt können Ergebnisse von extremer kultureller Brisanz sein», sagt Pusch.

So wie zuletzt im Frühling 2010, als die Forscher herausfanden, dass der legendäre Pharao Tutanchamun ein Inzest-Kind war und an zahlreichen Missbildungen litt. Die genetischen Untersuchungen wirbelten sämtliche alten Traditionen und Überlieferungen durcheinander. Wer sich mit solchen Themen beschäftigt, die die kulturelle Identität von Menschen betreffen können, werde ständig mit ethischen Fragen konfrontiert, sagt Pusch. «Will und darf man erzählen, dass ein Pharao nicht der starke Herrscher war, sondern ein kranker Junge, der die meiste Zeit getragen wurde?»

Sein nächstes Projekt soll die genetische Analyse der Familie Medici aus Florenz sein. Pusch liebt die Verbindung von Humangenetik, Geschichte und Kultur: «Es ist einfach toll zu sehen, wenn die Wissenschaften interdisziplinär ineinandergreifen und ein lebendiges Bild eines echten Menschen

18.09.2011

Leserkommentare (1)

Mehr Kommentare
1
Maier | 18.09.2011 | 12:09

Macht mich echt betroffen, dass der gute alte Ötzi, der berühmte Sänger und Ententrainer, jetzt das zeitliche segnete. mehr...

Schriftgröße A A A
Artikel teilen
Anzeige
Anzeige
Top Adressen
Anzeige
Top Angebote
Anzeige
Regional Finder
Ispringen
Kämpfelbach
Eisingen
Königsbach-Stein
Remchingen
Keltern
Straubenhardt
Birkenfeld
Neuenbürg
Engelsbrand
Unterreichenbach
Schömberg
Neuhausen
Tiefenbronn
Heimsheim
Friolzheim
Wimsheim
Mönsheim
Wiernsheim
Wurmberg
Niefern-Öschelbronn
Kieselbronn
Neulingen
Ölbronn-Dürrn
Ötisheim
Mühlacker
Illingen
Maulbronn
Sternenfels
Knittlingen
Karlsbad
Pforzheim
Umfrage
Ist die Energiewende noch zu schaffen?
PZ-news auf Facebook
Webcam
Sa, 19.05.2012 03:03
Anzeige